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11.01.2012, Magdeburger Volksstimme
Olympia-Kandidaten des SCM wollen sich ihren Traum erfüllen

Es ist ruhig geworden um die Leichtathletik-Stars des SC Magdeburg. Das könnte daran liegen, dass bekanntlich in der Ruhe auch die Kraft liegt, und nicht zuletzt die brauchen die Asse um "Leitwölfin" Nadine Kleinert auch, um bei den Olympischen Spielen im Sommer in London den großen Wurf, Stoß oder Lauf zu landen.

Weil (nicht nur, aber auch) Leichtathleten im Winter gemacht werden, haben die sechs Magdeburger Olympia-Kandidaten Janin Lindenberg, Eric Krüger (beide 400 Meter), die Diskuswerfer Martin Wierig und Heike Koderisch sowie die Kugelstoßerinnen Josephine Terlecki und Nadine Kleinert in den letzten Wochen auf der Bahn oder im Kraftraum bereits richtig zugelangt und Gas gegeben. Und in den kommenden "soll und muss noch ein Zahn zugelegt werden", weiß Kleinert nicht nur in Kenntnis des Trainingsplanes, den ihr langjähriger Trainer Klaus Schneider ausgetüftelt hat, sondern angesichts von mittlerweile 36 Lebensjahren eben auch aus Erfahrung.


Die olympiaerprobte Kugelstoßerin weiß, was sie will. Und sie weiß auch, was sie dafür tun muss, um ihre fünften Olympischen Spiele zu erleben - was allein schon etwas wäre, das die "Grand Dame der deutschen Leichtathletik" aus der grauen Masse heraushebt. Ist der Meilenstein London erreicht, nimmt Kleinert das eigentliche Ziel ins Visier: "Ich will den Wettkampf als beste deutsche Kugelstoßerin abschließen. Für was das dann im Gesamtklassement reicht, muss man sehen", so die Vizeweltmeisterin von Berlin 2009 (20,20 Meter), die zwei Jahre später bei der WM in Südkorea erfahren musste, wie hoch inzwischen international die Trauben hängen. Dort reichte ihre Saisonbestweite von 19,26 Metern nur zu Rang acht.

Kleinert will in Nordhausen die erste Duftmarke setzen

Auf dem Weg nach London nimmt "Kleini" im Olympiajahr auch die Hallensaison mit, "das hat sich eigentlich bewährt". Am 20. Januar ist der erste Wettkampf geplant, beim Hallenmeeting in Nordhausen will der Routinier eine erste Duftmarke setzen. Höhepunkt des "Budenzaubers" soll die WM im März in Istanbul sein: "Da will ich unbedingt dabei sein, denn dann gibt es ein Jubiläum zu feiern: Es wäre mein 50. Wettkampf im Nationaltrikot."

Von derartigen Meriten sind Heike Koderisch und WM-Starterin Josephine Terlecki weit entfernt. Für die vergleichsweise jungen Magdeburgerinnen (26/25) zählt einzig und allein der olympische Gedanke. "Im Sommer dabei zu sein, wäre ein Traum", da sind sich beide einig.


Trainer Schneider tritt allerdings auf die Euphoriebremse, denn, die Olympia-Normen stehen zwar noch nicht fest, aber sie werden sich gewaschen haben. "Für beide ist deshalb erst einmal das Wichtigste, dass sie gesund und ohne große Verletzungen durch den Winter kommen." Soll zudem der nötige Leistungssprung her, müsse im Training "schon noch ein paar Schippen draufgelegt werden", betont der Coach. "Mal schauen, was die Hallensaison bei Josie bringt, doch so ein Glück wie im Vorjahr, als sie die Gunst der Stunde nutzen und bei der Hallen-EM Bronze gewann, wird sie wohl nicht noch einmal haben. Bei Heike ist die Entscheidung, ob sie den einen oder anderen Winterwurf-Wettkampf mitmacht, noch nicht gefallen." Nächstes Etappenziel wäre dann die EM Ende Juni in Helsinki.

Wierig fiebert dem Auftakt in Halle entgegen

Mehr will Martin Wierig. Die Planungen des Diskus-Hünen, dessen Höhenflug bei der WM einen heftigen Dämpfer bekommen hatte (wie bei Terlecki frühes Aus in der Qualifikation) sind ganz klar auf eine Wettkampfserie im Winter ausgelegt. Am kommenden Wochenende ist in Halle der Auftakt geplant. "Das Training lief bislang gut, wir sind im Soll. Bei den Kraftwerten konnte ich teilweise noch einmal etwas zulegen. Vielleicht packe ich die Olympianorm von 65,00 Metern ja schon im Winter", legt der 24-Jährige, der auf eine Bestleistung von 67,21 Metern verweisen kann, die Messlatte höchstpersönlich hoch. Aus gutem Grund: "So etwas wie bei der WM soll mir nicht noch einmal passieren: Ich will eine frühe und sichere Qualifikation und dann bei Olympia ins Finale", sagt Wierig seinem angeknacksten Ego und der Konkurrenz den Kampf an.

Lindenberg dreht derzeit in Südafrika ihre Runden

Viel vorgenommen hat sich auch Janin Lindenberg. Als Konsequenz der Vorsaison, die ihren Tiefpunkt bei der WM hatte, als die deutsche Frauen-Staffel im Vorlauf kläglich scheiterte, hat sich die 24-Jährige mit der Potsdamerin Claudia Hoffmann zusammengetan. Im Wechsel trainieren beide einen Monat daheim und einen im vorwiegend warmen Ausland. Momentan drehen die Viertelmeiler noch bis Anfang Februar unter Federführung von Magdeburgs Trainer Marko Kleinsteuber in Südafrika ihre Runden. "Janin hat eigentlich alle Möglichkeiten, sie muss sie nur konsequent und zielstrebig nutzen. Das setzt allerdings auch einen deutlichen Reifeprozess in der Persönlichkeit voraus", mahnt der Trainer an. "Zudem gilt es, eine Verbesserung der Trainingsqualität zu erreichen, deswegen haben wir uns auch ans Höhentraining herangewagt", erklärt Kleinsteuber, der im Olympiajahr die Hebel in der Grundlagen- und Schnelligkeitsausdauer neu angesetzt hat.

Mit Erfolg, nach dem vierwöchigen Höhentrainingslager in Flagstaff im November zeigte sein an sich sprintstarker Schützling "erste gute Ansätze". Dennoch verzichtet Lindenberg zugunsten eines langfristigen Aufbaus auf eine Hallensaison. Wenn überhaupt, seien nur ein paar kleine Rennen im Unterdistanzbereich geplant, "um gewisse Reize zu setzen, wichtiger ist, dass Janin auf deutlich mehr Trainingswochen auf einem höheren Grundniveau kommt", erläutert Kleinsteuber seinen Plan. Der ist zunächst auf einen Einzelstart Lindenbergs bei den Europameisterschaften ausgerichtet. Die 400-Meter-Norm ist bei 51,90 Sekunden angesetzt. Danach gilt die ganze Konzentration der Polizeimeisterin, die ihre Bestzeit im Vorjahr auf 51,92 Sekunden drücken konnte, natürlich der Staffel bei Olympia. "Da wollen wir Mädels unser zugegebenermaßen miserables WM-Abschneiden wiedergutmachen."

Krüger hält sich bei der Polizei in Kienbaum fit

Gutzumachen hat Eric Krüger eigentlich nicht viel - abgesehen vielleicht von seiner Entscheidung, die Ausbildung bei der Polizei im Olympiajahr nicht auf Eis zu legen, sondern fortzusetzen. "Ich finde das als Trainer natürlich nicht so optimal, aber Eric ist erwachsen und ein mündiger Athlet. Sich so zu entscheiden, ist sein gutes Recht. Wir leben in einer Demokratie, und das bedeutet, dass auch ich es akzeptieren muss, wie es ist. Nun gilt es, das Beste daraus zu machen", sagt Trainer Kleinsteuber mit Blick auf die längst vollendeten Tatsachen.

Im Klartext heißt das, Krüger glänzte bislang bei den Trainingslagern durch Abwesenheit, schrubbt dafür noch bis Ende seine Einheiten im Bundesleistungszentrum der Polizei in Kienbaum. Nichtsdestotrotz verfolgt der 23-Jährige, der beim Staffel-Vorlauf bei der WM einen starken Eindruck hinterlassen, sich dann aber verletzt hatte, die gleiche Strategie und die gleichen Ziele wie seine Teamkollegin Lindenberg.

Soll heißen: Ausgewählte Hallenstarts, danach ist der Fokus auf die Qualifikation für die Stadionrunde bei der EM gerichtet (Einzelnorm 46,00 Sekunden). Der Staffelstart in London soll als Sahnehäubchen die Saison krönen. Krüger, der eine Bestzeit von 46,50 Sekunden zu stehen hat, hat klare Vorstellungen von seinen Zielen 2012: "Ich will national zu den drei schnellsten 400-Meter-Läufern gehören und so ein fester Bestandteil der deutschen Nationalstaffel werden. Denn nur so kommt keiner mehr bei den Nominierungen an mir vorbei."


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