Blog
14. November 2012 um 20:04 Uhr
Jahresabschluss

Hallo Leute,

nach langer Zeit wollte ich mich mal wieder bei euch melden. Die Zeit seit meinem letzten Eintrag war sehr turbulent und aufregent.

Die Saison begann recht gut im Mai in Wiesbaden mit 66,01m. Leider konnte ich in der ersten Hälfte der Saison mich nicht weiter steigern, auch weil ich zu verbissen an die Sache rangegangen bin. Ich war verkrampft, übermotiviert und wollte die Leistung erzwingen.

Vor den deutschen Meisterschaften wurde mir dann klar, dass der Spaß am Werfen wieder in den Vordergrund rücken muss. Der 2. Platz war dann die erste Bestätigung, dass der eingeschlagene Weg richtig war.

Leider kam dann kurze Zeit später bei der Europameisterschaft ein Rückschlag. Das Scheitern in der Qualifikation war sehr enttäuschend für mich und ich brauchte ein paar Tage um diese Enttäuschung zu verarbeiten. Ich habe dann aber, zusammen mit meinem Trainer, die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Der Unterschied ist, dass ich jetzt vor dem Wettkkampf bereits auf dem Aufwärmplatz ein paar lockere Würfe mache, bevor es dann in den Callroom geht. Diese Erkenntnis sollte sich später auszahlen.

Nach den Europameisterschaften kam eine Zeit, wo ich mich sehr oft im Trainingslager in Kienbaum befand. Dort merkt ich dann wie stetig die Formkurve nach oben ging. Ich erzielte Bestleistungen im Training und hatte Spaß am Diskuswerfen. Genau das hatte ich mir vorgenommen und es war genau der richtige Weg!!

Ich entschloss mich vor den Olympischen Spielen noch einen Wettkampf in Schönebeck zu bestreiten. "Vor meiner Haustür" gelang mir dann die beste Wettkampfserien meiner bisherigen Karriere. Vier Versuche landeten jenseits der 66m Marke. Der 2. Versuch landet bei 68,33m Persönliche Bestleistung 2 Wochen vor den OLympischen Spielen. Da war sie wieder, die perfekte Wettkampfvorbereitung meines Trainers. 

Bereits da war ich mir wieder sicher, dass ich in Topform zu den Spielen nach London fahren werde. Und ich wollte es besser machen als letztes Jahr bei der WM in Daegu und bei der EM.

Im Training simulierte ich dann ab und zu den Ablauf der Qualifikation bei den Olympischen Spielen.

Und dann kam er, der Wettkampf auf den ich vier Jahre lang hin trainiert hatte.
Ich machte alles genau so, wie ich es im Training simuliert hatte. Bei den Würfen auf dem Aufwärmplatz unterstütze mich ein Speerwurftrainer. Die Würfe fühlten sich recht gut an, aber der Trainer sagte immer nur ca. 59m. Ich fing schon langsam an zu zweifeln. Bei dem letzten Wurf, viel ihm dann auf, dass er die ganze Zeit auf die 60m Linie von der Speerwurfmarkierung geguckt hat und die Würfe deutlich weiter waren als 59m. Mir viel ein Stein vom Herzen.
Es ging ab in den Callroom und danach ins Stadion. Wahnsinn! 70000 Leute. Ich nahm diese wahnsinns Kulisse mit einem lächeln und freute mich, dort zu sein.
Dann kam der erste Versuch und der war gleich sehr ordentlich, 64,13m! Ich war mir relativ sicher, dass diese Leistung für das Finale reicht. Ich hatte die erste Etappe geschafft. Aber ich wollte mehr. Ich wollte mir mein Wunsch, unter die Top 8 zu kommen, erfüllen. Also ging es am Nachmittag nochmal in den Kraftraum um die Spannung wieder aufzubauen.

Dann war es soweit. Finaltag 7.August. Es lief wie am Vortag. Die Würfe auf dem Aufwärmplatz waren gut und ich ging optimistisch in den Callroom. Von dort aus rein ins Stadion. Ich machte noch ein paar Aufwärmübungen im Stadion und dann hörte ich plötzlich meinen Namen. "WIERI" brüllten 3 Personen von der Tribüne. Ich hatte kurze Zeit Gänsehaut und war gleich noch mehr motiviert.
Dann die Vorstellung der Finalteilnehmer im Diskuswerfen. Ich schaute hoch auf die Anzeigetafel und es wurde eine Deutschlandfahne gezeigt mit der Aufschrift "WIERI". Meine Freundin und ihre Mama hatten diese Fahne angefertigt und wurden unter 80000 Menschen genau zur Vorstellung der Diskuswerfer eingeblendet. Jetzt wollte ich es allen zeigen. Ich wollte mein Traum erfüllen unter den Augen meiner Freundin, ihrer Mama, meinem Papa und meinem Trainer. Gerade ihm wollte ich zeigen, dass sich das Training und die Geduld mit mir gelohnt hat.
Und es gelang, die ersten drei Versuche waren beendet und ich stand auf dem 8. Platz. WAHNSINN! Jetzt alles oder nix. Es kam der 4.Versuch und ich konnte mich nochmal steigern auf 65,85m und auch 2 weitere Werfer hinter mir lassen. Am Ende blieb es bei dieser Platzierung und ich war überglücklich. Erste Olympiateilnahme und gleich ein 6.Platz und im gleichen Wettkampf ein deutscher Olympiasieger mit Robert Harting. Es war ein Wahnsinnswettkampf und ich habe jetzt schon Bock auf RIO 2016:) Aber vorher gibt es noch ein paar andere Herausforderungen im privaten und sportlichen Bereich, auf die ich mich wahnsinnig freue.

In diesem Sinne

Sport frei und bis zum nächsten Eintrag

Euer Wieri



Zurück